Überblick zur Geschichte unseres Hauses.

Die Kalkhütte alte Urbacher Haus-Nr. 177

Die „Kalkhütte“ präsentiert sich uns heute als ein stilvolles, im „Alten Stolberg“ in malerischer Umgebung gele­genes Waldhotel. Doch wie der Name schon verrät wurde sie zu einem anderen wirtschaftlichem Zwecke erbaut. Am 03. Dezember 1850 wandte sich der „Schänkwirt“ Christian Etzrodt aus Urbach mit einer Bitte an die Gräf­lich Stolbergische Rentkammer „Im Deichthale vor Urbach eine Kalkhütte erbauen zu dürfen und ihm darüber die notwendige Conccesion zu ertheilen“. Anfang des Jahres 1851 erneuerte er sein Ansinnen und wurde dabei von Dr. med. Henze aus Urbach in seinem Vorhaben unterstützt. Endlich am 12. März 1851 erhielt er die „Conccesionierung zur Anlegung einer Kalkbrennerei“. Einer der ersten und wohl auch größten Aufträge war, für den in diesem Jahre ausgeführten Kirchenschiffneubau in Urbach benötigten Kalk zu liefern. Das bestätigt uns eine alte Niederschrift zu diesem Bau: „Die Kalk Fuhren wurden von den Kuh Aufzäumern geleistet, vom Kalkberge her, weil der Kalk daselbst gebrannt wurde, in Summa 578 Fuhren“. Da der Christian Etzrodt wie schon erwähnt eigentlich „Schenkwirt“ war, gab es dann dort auch bald eine „gastliche Einkehrmöglichkeit“.
Die „Kalkhütte“ wurde nun zu einer „bekannten Ausflugsgaststätte.

Im Jahre 1912 kaufte das „Bürgerliche Brauhaus Nordhausen“ das Anwesen, verpachtete es und verkaufte es dann 1921 wieder an private Gastwirte.

Im Jahr 1929 bemühte sich der damalige Besitzer Kallensee, ein Malermeister aus Gotha, sehr um den Ausbau des Weges. Er verbreiterte enge Stellen und planierte große Strecken des Waldweges. So wurde die Kalkhütte nun auch besser mit „allerlei Gefährt“ erreichbar. Dieses und die reizvolle Lage waren auch die Gründe dafür, daß der Turnverein von Urbach im Jahre 1930 das Ansinnen hatte, dort einen Turn- und Sportpatz anzulegen. Turnen, Laufen und Handball zählte zu den bevorzugtesten Sportarten des Vereines. Schon seit dem Jahre 1927 führte der „MTV Urbach“ als einen der sportlichen Höhepunkte einmal im Jahr einen: „Geländelauf von der Kalkhütte durch den Alten Stolberg und zurück“ durch. Der Sieger wurde mit einer „Wanderstatue“ geehrt und die weiteren Spitzenplätze mit Sachpreisen. Es kam dann im Februar 1930 zu Ortsbesichtigungen und zu Ver­handlungen mit der Gemeinde Urbach und der Gräflichen Forstverwaltung Roßla, denen jeweils Anteile an dem benötigten Gelände gehörten. Man wurde sich sehr schnell einig und überließ das Gelände „vor der Kalkhütte“ dem Verein für einen symbolischen Pachtpreis (Anerkennungsgebühr) von je 1.- RM jährlich. Am 08. Februar 1930 wurde mit dem Bau und den erforderlichen Erdarbeiten begonnen.

Der damalige „Kalkhüttenwirt“ Krause beteiligte sich an diesen Baumaßnahmen mit der Bezahlung von 500 Arbeitsstunden und seine Frau schenkte dem Verein ein Tischbanner. Am 26. Juli 1931 wurde dieser Sportplatz festlich eingeweiht, der fortan für Turnübungen und Handballspielen genutzt wurde. Zur Einweihung fand hier ein „bezirksoffener volkstümlicher Dreikampf“ statt.

Viele Feste wurden in der Kalkhütte gefeiert, von denen ein Sommerfest und die Fahnenweihe der „Waldge­meinschaft Alter Stolberg“ im August 1932 als älteste Fotodokumente überliefert sind.

 

Im April 1954 wurde dann der VEB Nortak Hanewacker Eigentümer und 1959 der VEB Braunkohlenwerk Mücheln, der die Kalkhütte zu einem Ferienheim ausbaute. 1968 kaufte dann der VEB Mineralölwerk Lützken­dorf die Einrichtung und führte den Betrieb als Ferienheim bis 1990 weiter. Tausende Kinder, Jugendliche und Erwachsene verbrachten in diesen Jahren ihre Ferien und Urlaubstage dort.

Dann ging mit Auflösung der „Volkseigenen Betriebe“ die Kalkhütte in das Vermögen der „Treuhandanstalt“ über, wurde nicht mehr bewohnt, teilweise mutwillig zerstört und kam so in Verfall. 1993 kauft die Gemeinde Urbach das Grundstück von der Treuhand und verkaufte es an die „Knauf Deutsche Gipswerke KG“, die ver­sprach, die Kalkhütte wieder zu dem zu machen was sie weit über 100 Jahre war, ein beliebtes Ausflugsziel.
Im Jahre 1997 wurde dann das „Waldhotel Kalkhütte“ eröffnet und die Straße dorthin weiter ausgebaut und befestigt.

Erwähnenswert ist noch die „Kalkhüttenquelle“ die unweit des „Waldhotel“ entspringt. Sie schüttet aber nur in „Nassen Jahren“ und versiegt nach kurzem Lauf wieder im Untergrund.

Urbach, den 10.07.2012

Jürgen Vopel